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Milchzähne: Wann sie kommen, wann sie ausfallen und warum sie so wichtig sind

09 Juni · 4 Minuten

Das Milchzahngebiss begleitet Kinder über viele Jahre hinweg und spielt eine entscheidende Rolle für die gesunde Entwicklung von Zähnen, Kiefer und Sprache. Obwohl Milchzähne nur vorübergehend vorhanden sind, haben sie einen großen Einfluss auf die spätere Mundgesundheit.

Was sind Milchzähne?

Milchzähne – auch temporäre oder primäre Zähne genannt – sind die ersten Zähne eines Kindes. Sie bilden die Grundlage für die spätere Entwicklung des bleibenden Gebisses und übernehmen wichtige Aufgaben während der Wachstumsphase.

Sie ermöglichen nicht nur das Kauen fester Nahrung, sondern unterstützen auch die Sprachentwicklung und halten den Platz für die bleibenden Zähne frei.

Warum ist das Milchzahngebiss so wichtig?

Milchzähne werden oftmals als Übergangslösung betrachtet, bis die bleibenden Zähne kommen. Tatsächlich erfüllen sie mehrere wichtige Funktionen:

  • ermöglichen den Übergang von flüssiger zu fester Nahrung
  • unterstützen die korrekte Aussprache und Sprachentwicklung
  • fördern das Wachstum von Ober- und Unterkiefer
  • halten den Platz für die bleibenden Zähne frei
  •  tragen zur gesunden Entwicklung der Gesichtsmuskulatur bei
  • helfen dabei, spätere Zahnfehlstellungen zu vermeiden

Geht ein Milchzahn zu früh verloren, können benachbarte Zähne in die entstandene Lücke wandern. Dadurch kann der Durchbruch der bleibenden Zähne beeinträchtigt werden und eine spätere kieferorthopädische Behandlung erforderlich werden.

ein Kleinkind lacht und zeigt dabei seine Milchzähne.

Wie viele Milchzähne hat ein Kind?

Das Milchgebiss besteht aus insgesamt 20 Zähnen:

  • 10 Milchzähne im Oberkiefer
  • 10 Milchzähne im Unterkiefer

Dazu gehören:

  • 8 Schneidezähne
  • 4 Eckzähne
  • 8 Milchbackenzähne (Molaren)

Prämolaren (Vormahlzähne) und Weisheitszähne sind im Milchzahngebiss noch nicht vorhanden. Diese erscheinen ausschließlich im bleibenden Gebiss.

Zum Vergleich: Das vollständige bleibende Gebiss umfasst 32 Zähne, einschließlich der Weisheitszähne.

Wann kommen die Milchzähne?

Der Zahndurchbruch beginnt meist im Alter von etwa sechs Monaten. Die genaue Reihenfolge kann von Kind zu Kind leicht variieren.

Typische Reihenfolge des Zahndurchbruchs

🦷 6–10 Monate: untere mittlere Schneidezähne

🦷 8–12 Monate: obere mittlere Schneidezähne

🦷 9–13 Monate: obere seitliche Schneidezähne

🦷 10–16 Monate: untere seitliche Schneidezähne

🦷 13–19 Monate: erste Milchbackenzähne

🦷 16–23 Monate: Eckzähne

🦷 23–33 Monate: zweite Milchbackenzähne

Mit etwa drei Jahren ist das Milchzahngebiss in der Regel vollständig entwickelt.

Welche Symptome treten beim Zahnen auf?

Der Zahndurchbruch verläuft bei jedem Kind unterschiedlich. Manche Babys zeigen kaum Beschwerden, während andere deutlich unter dem Zahnen leiden.

Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Verstärkter Speichelfluss
  • Geschwollenes oder empfindliches Zahnfleisch
  • Unruhe und Reizbarkeit
  • Schlafprobleme
  • Verminderter Appetit
  • Häufiges Kauen auf Gegenständen
  • Leicht erhöhte Temperatur

Halten die Beschwerden über längere Zeit an oder treten starke Schmerzen auf, sollte eine Kinderzahnärztin oder ein Kinderzahnarzt aufgesucht werden.Ober- un

Ober- und Unterkiefer eines kleinen Kindes mit Milchzähnen.

Was hilft beim Zahnen – tagsüber und nachts?

Folgende Maßnahmen können die Beschwerden lindern:

  • Gekühlte Beißringe aus dem Kühlschrank
  • Sanfte Massage des Zahnfleischs mit sauberen Fingern
  • Kühlende Lebensmittel bei älteren Babys
  • Viel Nähe, Beruhigung und Ablenkung
  • Feste Schlafrituale für ruhigere Nächte

⚠️ Wichtig ist, Beißringe nicht einzufrieren, da extreme Kälte das Zahnfleisch schädigen kann.

Wann fallen die Milchzähne aus?

Der Zahnwechsel beginnt meist zwischen dem sechsten und siebten Lebensjahr und dauert bis etwa zum zwölften Lebensjahr an.

Dabei löst sich die Wurzel des Milchzahns langsam auf, sodass der darunterliegende bleibende Zahn seinen Platz einnehmen kann.

In welcher Reihenfolge fallen die Milchzähne aus?

Meist erfolgt der Zahnwechsel in derselben Reihenfolge wie der Zahndurchbruch:

🦷 Untere mittlere Schneidezähne: 6–7 Jahre

🦷 Obere mittlere Schneidezähne: 6–7 Jahre

🦷 Seitliche Schneidezähne: 7–8 Jahre

🦷 Erste Milchbackenzähne: 9–11 Jahre

🦷 Eckzähne: 9–12 Jahre

🦷 Zweite Milchbackenzähne: 10–12 Jahre

Insgesamt verlieren Kinder etwa 20 Milchzähne, bevor das bleibende Gebiss vollständig entwickelt ist.

Welcher ist der erste bleibende Zahn?

Der erste bleibende Zahn ist häufig der sogenannte Sechsjahrmolar. Dieser Backenzahn bricht meist hinter den letzten Milchbackenzähnen durch und ersetzt keinen Milchzahn.

Viele Eltern bemerken deshalb nicht, dass es sich bereits um einen bleibenden Zahn handelt. Gerade deshalb ist eine sorgfältige Pflege dieser Zähne besonders wichtig.

Was sind „Haifischzähne“?

Als Haifischzähne bezeichnet man eine Situation, in der bleibende Zähne bereits hinter den Milchzähnen durchbrechen, obwohl diese noch nicht ausgefallen sind.

Mögliche Ursachen:

  • Platzmangel im Kiefer
  • Verzögerte Auflösung der Milchzahnwurzel
  • Abweichende Durchbruchsrichtung des bleibenden Zahns

In vielen Fällen reguliert sich die Situation von selbst. Dennoch sollte eine kinderzahnärztliche Kontrolle erfolgen, um spätere Fehlstellungen oder Engstände zu vermeiden.

ein kleines Mädchen mit Locken lacht in die Kamera und zeigt ihre Milchzähne und Zahnlücke.

Milchzähne bei Erwachsenen

Gelegentlich bleiben Milchzähne bis ins Erwachsenenalter erhalten. Die häufigste Ursache dafür ist eine sogenannte Zahnagenesie. Dabei fehlt der bleibende Zahn, der den Milchzahn eigentlich ersetzen sollte.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Platzmangel im Kiefer
  • Entwicklungsstörungen
  • Traumata
  • Fehlstellungen

Ob ein Milchzahn langfristig erhalten werden kann, sollte regelmäßig zahnärztlich kontrolliert werden.

Unterschiede zwischen Milchzähnen und bleibenden Zähnen

Milchzähne unterscheiden sich in mehreren Punkten vom bleibenden Gebiss:

Anzahl

  • Milchgebiss: 20 Zähne
  • Bleibendes Gebiss: 32 Zähne

Größe

  • Milchzähne sind kleiner, da der Kiefer eines Kindes noch nicht vollständig entwickelt ist

Wurzeln

  • die Wurzeln von Milchzähnen sind kürzer und feiner. Dadurch können sie sich beim Zahnwechsel leichter auflösen

Farbe

  • Milchzähne erscheinen meist heller und weißer, da ihre Schmelz- und Dentinschichten dünner sind

Häufige Probleme bei Milchzähnen

Karies bei Milchzähnen

Karies zählt zu den häufigsten Erkrankungen im Milchzahngebiss.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Häufige zuckerhaltige Getränke
  • Langes Nuckeln an der Flasche
  • Ungenügende Mundhygiene
  • Kariogene Bakterien, die übertragen werden können
  • Vorzeitiger Verlust von Milchzähnen

Milchzähne können vorzeitig verloren gehen durch:

  • Karies
  • Unfälle oder Stürze
  • Schwache Zahnwurzeln
  • Nährstoffmangel, insbesondere Kalziummangel
  • Abgestorbene Milchzähne

Nach einem starken Schlag auf den Zahn kann der Zahnnerv geschädigt werden. Monate später verfärbt sich der Zahn häufig grau oder schwarz.

Eine solche Verfärbung sollte immer kinderzahnärztlich untersucht werden, auch wenn sie nicht zwangsläufig Auswirkungen auf die bleibenden Zähne hat.

Wann muss ein Milchzahn gezogen werden?

Eine Entfernung kann notwendig sein bei:

  • Schwerer Karies
  • Entzündungen oder Abszessen
  • Starken Verletzungen
  • Platzmangel im Kiefer
  • Verzögertem Zahnwechsel

Die Entscheidung sollte stets von einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt getroffen werden, um die Entwicklung der bleibenden Zähne nicht zu beeinträchdie Milchzähne 

die Milchzähne eines kleinen Jungen werden beim Zahnarzt untersucht. 

Ist eine Zahnspange mit Milchzähnen möglich?

Ja. Bereits im Milchgebiss oder während der Wechselgebissphase können bestimmte kieferorthopädische Behandlungen sinnvoll sein.

Interzeptive und orthopädische Kieferorthopädie

Frühzeitige Behandlungen können helfen bei:

  • Rücklage des Unterkiefers
  • Rücklage des Oberkiefers
  • Schmalem Gaumen
  • Offenem Biss
  • Funktionellen Kieferproblemen
  • Sprachauffälligkeiten

Da sich Kiefer und Gesicht noch im Wachstum befinden, können Fehlentwicklungen in diesem Alter oft besonders effektiv behandelt werden. Ab etwa sieben Jahren kann eine erste kieferorthopädische Untersuchung sinnvoll sein.

Tipps zur Pflege des Milchzahngebisses

Damit Milchzähne gesund bleiben, empfiehlt sich:

✅ Die Zahnpflege ab dem ersten Zahn zu beginnen.

✅ Zweimal täglich die Zähne zu putzen.

✅ Eine altersgerechte fluoridhaltige Zahnpasta zu verwenden.

✅ Zuckerhaltige Snacks und Getränke zu reduzieren.

✅ Regelmäßige zahnärztliche Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen.

✅ Das Einschlafen mit zuckerhaltigen Getränken in der Flasche zu vermeiden.

Filchzähne sind die Grundlage für gesunde bleibende Zähne

Das Milchzahngebiss ist weit mehr als eine vorübergehende Zahnreihe. Es beeinflusst die Sprachentwicklung, die Kieferentwicklung, die Ernährung und die spätere Stellung der bleibenden Zähne. Eine gute Mundhygiene, regelmäßige Kontrollen und eine frühzeitige Beobachtung möglicher Auffälligkeiten tragen entscheidend dazu bei, dass Kinder mit einem gesunden Lächeln aufwachsen.

Bei Fragen zur Entwicklung des Milchzahngebisses oder zu frühzeitigen kieferorthopädischen Maßnahmen beraten die Expertinnen und Experten von Impress gerne individuell.

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Häufig gestellte Fragen zu Milchzähnen

Wie kann man Milchzähne aufbewahren?

Das Zahnmark unserer ersten Zähne enthält wertvolle Stammzellen, deshalb ist es eine gute Idee, Milchzähne aufbewahren zu lassen. Dazu solltest du sie innerhalb von 48 Stunden, nachdem sie ausgefallen sind, bei einer speziellen „Biobank“ einlagern lassen.

Ist es schlimm, wenn man einen Milchzahn verschluckt?

Es kann vorkommen, dass ein Milchzahn verschluckt wird, wenn er ausfällt. Dies ist aber nicht schlimm, denn er kommt in der Regel auf natürlichem Wege wieder raus.

Wie ist ein Milchzahn aufgebaut?

Grundsätzlich haben ein bleibender und ein Milchzahn denselben Aufbau: innen zunächst das Zahnmark, dann Wurzelzement, Dentin und außen schließlich der Zahnschmelz. Bei den Zähnen von Babys und Kleinkindern sind diese einzelnen Schichten jedoch dünner, weshalb sie nicht ganz so kräftig sind wie die permanenten Zähne bei Erwachsenen.

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